30 1 / 2012

Oh Canada! oder Die beste Zeit meines Lebens | 0 - Die Vorgeschichte

Die wohl beste Entscheidung meines Lebens war eine Entscheidung, die ich von einer auf die andere Sekunde getroffen habe und sie hat in gewisser Weise mein Leben verändert.

Aber wie kam es dazu? Am 15. Dezember 2010, war ich bei einer Freundin, die gerade Geburtstag hatte. Eigentlich ein schöner Tag und in der Vorweihnachtszeit sind eigentlich auch alle Menschen glücklich nur ein bisschen gestresst, weil sie vor lauter Auswahl nicht wissen, was sie ihren Liebsten unnützes und überflüssiges schenken sollen. Ich studierte zu diesem Zeitpunkt seit etwa 2 Monaten Bioinformatik und Genomforschung in Bielefeld, warum weiß ich heute nicht mehr so genau, ich glaube ich habe damals unter allen Studiengängen gelost, die irgendwas mit Bio im Titel hatten und cool klangen. Eigentlich bestand mein Leben zu diesem Zeitpunkt nur daraus früh aufzustehen, durch Eiseskälte mit dem Fahrrad zum Bahnhof zu fahren, sich dann 1 1/2 Stunden in einen Zug zu setzen, der in quasi Schrittgeschwindigkeit durch Kuhwiesen fährt, um passend zum Sonnenaufgang in die künstlich beleuchteten Hörsäle der Uni Bielefeld zu verschwinden um dort mit Mathe und ekeligen Programmiersprachen bis kurz vor Sonnenuntergang gequält zu werden. Zwei Stunden später kommt man dann bei völliger Dunkelheit wieder nach Hause um sich erneut mit Mathe und Informatik zu beschäftigen. Der von mit geliebte Bioanteil im Studium war verschwindend gering, man hatte mir wohl vorher vergessen zu sagen, dass man eigentlich nur Informatik und Mathematik studiert. Mein Leben war wie das Wetter zu dieser Zeit: trist und grau.

So auch an jenem 15. Dezember. Nachdem wir jedoch per Skype mit einer Freundin in Nicaragua unterhalten haben, die wiedermal völlig begeistert von ihrem Auslandsaufenthalt berichtete, traf ich jene wegweisende Entscheidung: Studium abbrechen und ab nach Kanada. Zack, und so einfach geht das manchmal. Ich hatte vorher zwar schon mal kurz überlegt wegzugehen, aber weiter als “ja, könnte man mal machen, ist bestimmt cool”, bin ich nicht gekommen. So bestellte ich direkt an dem Abend noch zwei Bücher über Work & Travel. Am nächsten Tag berichtete ich meinen Eltern von meiner Entscheidung, die diese auch nach einem längeren Gespräch mit guten Argumenten meinerseits nachvollziehen konnten. 

Über Weihnachten recherchierte ich wie was alles zu beachten ist und wie man die Reise am besten organisiert. Ich entschied mich für einen Organisation, da ich das ganze alleine in Angriff nehmen wollte, mir so aber gerade am Anfang immer noch etwas Unterstützung zur Seite stand und es auch nicht wirklich viel teurer war, als alles selbst zu buchen. Also habe ich meinen Work & Travel-Trip einfach online wie einen normale Paulschalreise nach Malle gebucht. Dann nur noch das Visum bei der kanadischen Botschaft beantragen und warten. Lange warten. Letztendlich scheint ihnen mein Gesicht auf dem Antragsboden mit den dazugesteckten 130€ Bestechungs Bearbeitungsgebühr doch gefallen zu haben, so dass sie mir ein zerknittertes Blatt zu schickten, das ich angeblich am Flughafen gegen ein Visum eintauschen könne. 

Aber warum eigentlich Kanada?

Diese Frage habe ich drölf Dutzend mal gehört. Die Antwort ist relativ einfach: Es gibt 2 1/2 gute Länder um Work & Travel zu machen: Kanada, Australien und Neuseeland. Die letzten beiden finde ich auch sehr interessant, allerdings mag nicht wirklich die Hitze dort. Und was verbindet man mit Kanada? Richtig, Schnee und Eis. Und Hockey, also Eishockey. Also war die Entscheidung gefallen.

Nach 6 Wochen harter Arbeit (tausende Lieferscheine einscannen und bearbeiten) um sich das Startkapital zu finanzieren, zwei Abschiedsparty, auf denen meine Freunde trauriger waren als ich, war es dann endlich zu weit: Ich stand am 16. März in der Schlange zur Sicherheitskontrolle am Flughafen Hannover und verabschiedete mich von meinen Eltern. Auf dem Flug nach Frankfurt kamen mir leichte Zweifel ob das ganze wirklich so eine gute Idee war. Ich verreise sehr gerne und Gefühle wie Heimweh oder so kenne ich nicht. Aber 6 Monate allein unterwegs zu sein, ist schon so eine Sache. Gerade wenn man nur weiß, dass man nur für die nächsten zwei Nächte ein Hostelzimmer gebucht hat und danach vollkommen auf sich allein gestellt ist und im schlimmsten Fall nach 3 Wochen ohne Arbeit unter einer Brücke in den Drogenvierteln von Vancouver schlafen muss. Aber spätestens, als ich am Gate in Frankfurt schon die ersten Leute der Organisation kennengelernt hatte, wusste ich, das mir 6 wundervolle Monate bevorstehen und quetsche mich frohen Mutes für 11 Stunden in das Flugzeug, das mich nach Vancouver bringen sollte.

Fortsetzung folgt!